Snapchat: Wie kann so eine App in Europa erlaubt sein?

Ein gelbes Symbol mit einem kleinen Geist. Fotos mit lustigen Filtern. Nachrichten, die wieder verschwinden. Für viele Eltern sieht Snapchat zunächst harmloser aus als andere soziale Netzwerke. Die Kinder schreiben dort schließlich mit ihren Freunden.

Doch Snapchat ist längst kein einfacher Messenger. Die App verbindet private Chats mit Kontaktvorschlägen, öffentlichen Videos, Standortfreigaben, Schönheitsfiltern, einem KI-Chatbot und Funktionen, die zur täglichen Nutzung anregen. Ein Kind kann die App öffnen, um einem Freund ein Foto zu schicken, und wenig später einem fremden Kontakt, einem Drogenangebot oder einem sexualisierten Inhalt begegnen.

Die Bundesrechtsanwaltskammer hat sich in einer Podcastfolge mit SOMI und der Kanzlei Spirit Legal ausführlich mit diesen Risiken beschäftigt. Die Folge ist lang und stellenweise sehr juristisch. Hier erklären wir die wichtigsten Punkte so, dass Eltern sie einordnen und mit ihren Kindern besprechen können. Wie die einzelnen Funktionen der App zusammenspielen, zeigen wir zusätzlich in unserem Snapchat-Ratgeber für Eltern.

Unsere Haltung ist klar: Wir würden Snapchat für Minderjährige am liebsten europaweit verbieten. Solange es dazu nicht kommt, würden wir die App für unser Kind nicht zulassen.

Mutter und Jugendlicher betrachten gemeinsam ein Smartphone. In der Mitte der Collage ist ein gelbes Display mit Snapchat-Geist zu sehen, daneben Symbole für Nachrichten, Standort, Schönheitsfilter und Warnungen.

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Warum Kerstin Claus von einem „Eldorado für Täter“ spricht

Die Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus nannte Snapchat ein „Eldorado für Täter“. Gemeint ist nicht, dass jeder Kontakt auf Snapchat gefährlich wäre. Gemeint sind Eigenschaften der Plattform, die Tätern die Kontaktaufnahme und das Verbergen ihres Handelns erleichtern können.

Ein Erwachsener kann sich als Jugendlicher ausgeben. Er kann einem Kind Aufmerksamkeit schenken, Gemeinsamkeiten vorspielen und über Wochen Vertrauen aufbauen. Die erste Nachricht wirkt vielleicht völlig alltäglich. Später folgen persönliche Fragen, Geheimnisse und schließlich Forderungen nach Bildern oder einem Treffen. Fachleute nennen dieses Vorgehen Cybergrooming.

Wie konkret das werden kann, schildert der Medienzeit-Gastbeitrag „Wie sexuelle Übergriffe über Snapchat beginnen“. Er beschreibt, wie ein zunächst freundlicher Kontakt zu immer weitergehenden Forderungen nach intimen Bildern führte. Gerade weil der Anfang nicht wie eine offensichtliche Bedrohung aussieht, erkennen Kinder die Veränderung oft erst spät.

Hinzu kommt ein trügerisches Gefühl von Sicherheit: Viele Snaps und Chats verschwinden nach einer gewissen Zeit aus der Ansicht. Das bedeutet aber nicht, dass ein Empfänger sie nicht festhalten kann. Ein zweites Handy genügt, um einen Bildschirm abzufotografieren. Snapchat erklärt selbst, wann Snaps und Chats gelöscht werden. Aus einem verschwindenden Bild wird deshalb kein risikofreies Bild.

Auch eine kanadische Befragung betroffener Jugendlicher macht die Rolle der App sichtbar: Unter den Jugendlichen, die bereits online sexualisierte Gewalt erlebt hatten, wurde Snapchat besonders häufig als Tatort genannt. Diese Zahl beschreibt nicht das Risiko aller Jugendlichen. Die Ergebnisse und ihre Grenzen erklären wir in unserem Artikel zur kanadischen Studie.


Wenn aus Vertrauen Erpressung wird

Ein besonders schweres Risiko ist Sextortion, also sexuelle Erpressung. Ein Täter bringt ein Kind dazu, ein intimes Bild zu verschicken, oder er gelangt auf anderem Weg an entsprechendes Material. Anschließend droht er, das Bild an Mitschüler, Freunde oder die Familie zu senden. Er fordert Geld, weitere Bilder oder andere Handlungen.

Manchmal sind die Bilder manipuliert. Auch ein gefälschtes intimes Bild kann ein Kind massiv unter Druck setzen. Die Drohung wirkt vor allem deshalb, weil Betroffene sich schämen und die Reaktion ihrer Eltern fürchten. Täter nutzen diese Angst gezielt.

Im Podcast geht es auch um Hinweise aus einer Klage des US-Bundesstaats New Mexico gegen Snap. Dort werden unter anderem der Umgang mit Meldungen und das Wissen des Unternehmens über sexuelle Erpressung junger Nutzer thematisiert. Die Klageschrift enthält Vorwürfe, über die Gerichte entscheiden müssen. Schon unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens ist Sextortion für betroffene Kinder eine akute Gefahr.

Eltern sollten ihrem Kind deshalb vor einem Vorfall sagen: „Wenn dich jemand mit Bildern bedroht, komm sofort zu mir. Auch wenn du das Bild selbst verschickt hast oder eine Regel gebrochen hast. Ich helfe dir. Die Verantwortung für die Erpressung trägt der Täter.“

Wie digitale Erpressung funktioniert und warum auch manipulierte Bilder gefährlich sind, erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag über Sextortion und digitale Erpressung.


Blackmailing kann auch ohne intime Bilder beginnen

Die Folge beschreibt eine weitere Form des Blackmailings, also der Erpressung: Ein Kind wird mit einem vermeintlich spannenden oder verbotenen Angebot angesprochen, etwa mit Vapes. Später kann die Person den Kontakt nutzen, um Druck auszuüben: „Wenn du nicht tust, was ich verlange, erzählen wir deinen Eltern, was du gekauft hast.“

Solche Schilderungen aus dem Podcast sollte man nicht als Beweis dafür verstehen, dass jeder Vape-Kontakt auf Snapchat so abläuft. Sie zeigen aber einen Mechanismus, den Eltern kennen sollten: Täter können aus Scham und Angst vor Ärger ein Druckmittel machen. Das gilt bei intimen Bildern ebenso wie bei Drogen, Vapes, Schulkonflikten oder anderen Geheimnissen.

Ein Kind, das bereits etwas Verbotenes getan hat, braucht deshalb einen sicheren Weg zurück. Wenn die erste Reaktion zu Hause ausschließlich Strafe ist, wird es beim nächsten Mal womöglich schweigen. Über die Anwerbung von Kindern für Straftaten über soziale Netzwerke haben wir auf Medienzeit gesondert berichtet.


Drogenhandel: Die belegten Ergebnisse aus Dänemark

Im Podcast fällt die zugespitzte Aussage, Snapchat sei in Dänemark der wichtigste Umschlagplatz für Kokain. Eine belastbare Rangliste über den gesamten dänischen Kokainhandel lässt sich aus den verfügbaren Untersuchungen nicht ableiten. Was die Forschung und die Tests tatsächlich zeigen, ist für Eltern trotzdem erschreckend.

Die dänische Organisation Digitalt Ansvar legte Testprofile an, die auf ein Alter von 13 Jahren eingestellt waren. Einem dieser Profile wurden innerhalb weniger Stunden mehr als 70 mutmaßliche Drogenprofile empfohlen. Die Organisation meldete zudem 40 Profile, die nach ihrer Einschätzung offensichtlich für den Drogenverkauf genutzt wurden. Im Test entfernte Snapchat zehn davon, 30 blieben bestehen.

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Die Untersuchung beschreibt Profilnamen mit offenen oder leicht erkennbaren Hinweisen auf Drogen, darunter auch auf Kokain. Eine Analyse der EU-Drogenagentur fand über Snapchat schnellen Zugang zu aktiven Händlern in großen dänischen Städten. Das belegt keine europaweite Häufigkeit für jedes Kinderkonto. Es zeigt aber, dass die Plattform für den Handel genutzt wird und Empfehlungen ein zusätzliches Risiko schaffen können.

Für Eltern ist der entscheidende Punkt: Ein Kind muss nicht bewusst „Drogen kaufen“ eingeben, um mit entsprechenden Profilen in Berührung zu kommen. Kontakte und Empfehlungen können solche Angebote in seinen Alltag bringen.

Die beiden Zahlen stammen aus Testprofilen der Untersuchung von Digitalt Ansvar von 2025. Das EU-Verfahren ist eine Untersuchung, noch keine Feststellung eines Rechtsverstoßes.


Snapchat Dysmorphia: Wenn das eigene Gesicht plötzlich „falsch“ aussieht

ine Jugendliche betrachtet ihr Gesicht im Spiegel und vergleicht es mit einem geglätteten Selfie auf ihrem Smartphone.

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Snapchat ist für seine Filter bekannt. Manche sind offensichtlich albern. Andere verändern das Gesicht so unauffällig, dass die bearbeitete Version als besonders schönes „Ich“ erscheint: glattere Haut, größere Augen, schmalere Nase oder vollere Lippen.

Der Begriff „Snapchat Dysmorphia“ beschreibt die Sorge von Fachleuten, dass Menschen wie ihre gefilterten Bilder aussehen möchten und sogar mit solchen Bildern zu Schönheitschirurgen gehen. Das ist keine eigenständige Diagnose für jedes Kind, das einen Filter benutzt. Und es wäre falsch zu behaupten, ein einzelner Snapchat-Filter löse automatisch eine psychische Erkrankung aus.

Die Frage für Eltern ist konkreter: Wie spricht dein Kind über sein ungefiltertes Gesicht? Möchte es sich ohne Bearbeitung nicht mehr fotografieren lassen? Vergleicht es sein Aussehen ständig mit Bildern, die technisch verändert wurden? Diese Signale verdienen ein ruhiges Gespräch. Warum Filter und KI-Bilder das Selbstbild beeinflussen können, erklären wir in unserem Beitrag über Schönheitsfilter und Kinder.


Die Inhalte finden Kinder, nicht umgekehrt

Snapchat ist längst mehr als ein Messenger. In Discover, Stories und Spotlight bestimmen Empfehlungssysteme mit, welche Videos ein Kind zu sehen bekommt.

Für eine Untersuchung der Heat Initiative und ParentsTogether Action wurden zwei Konten als 13-Jährige angelegt. In insgesamt zwölf Teststunden erschienen dort unter anderem empfohlene Videos über Selbstverletzung und Suizid, Drogen, sexualisierte Szenen und drastische Gewalt, darunter Aufnahmen realer Tötungen. Eine weitere Untersuchung mit 13-jährigen Testprofilen auf Snapchat und drei anderen Plattformen dokumentierte in den untersuchten Feeds auch extreme Diät- und Körperinhalte sowie explizite Bezüge zu Pornografie.

Solche Tests zeigen nicht, was jedes Kind auf Snapchat sehen wird. Sie widerlegen aber die beruhigende Vorstellung, Kinder kämen nur dann mit problematischen Inhalten in Kontakt, wenn sie selbst danach suchen.


Eine App, die ständig wieder Aufmerksamkeit verlangt

Eine Jugendliche unterbricht ihre Hausaufgaben und schaut auf ihr Smartphone. Auf dem Display ist ein Flammensymbol zu sehen.

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Für viele Kinder ist Snapchat auch deshalb schwer wegzulegen, weil die App sozialen Druck mit ihren Funktionen verbindet. Eine Streak bleibt bestehen, wenn zwei Personen regelmäßig Snaps austauschen. Reißt diese tägliche Folge ab, kann sich das für Kinder wie ein kleiner sozialer Verlust anfühlen. Der Snapscore macht Aktivität zusätzlich sichtbar.

Erwachsene können darüber lächeln. Für ein Kind, dessen Freundeskreis solche Zahlen ernst nimmt, ist der Druck real. Es schaut noch einmal auf das Handy, obwohl es schlafen sollte. Es schickt schnell ein Bild, obwohl es gerade Hausaufgaben macht. Und es hat das Gefühl, reagieren zu müssen, um eine Freundschaft nicht zu gefährden. Was hinter diesen Funktionen steckt, erklären wir im Artikel über Snapscore und Streaks.

Dazu kommen Spotlight und Discover mit weiteren Inhalten, Kontaktvorschläge sowie My AI, der integrierte KI-Chatbot. Snapchat ist damit keine abgeschlossene Unterhaltung zwischen bekannten Freunden. Die App schafft immer neue Anlässe, länger zu bleiben und weiterzuklicken.


Standort und Daten: Was weiß die App über mein Kind?

Ein Jugendlicher mit Rucksack betrachtet an einer Haltestelle eine Karte auf seinem Smartphone. Standortmarkierungen zeigen seinen Aufenthaltsort und den Weg zwischen Schule und Zuhause.

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Die Snap Map kann den Standort eines Nutzers für ausgewählte Kontakte sichtbar machen. Welche Personen ihn sehen, hängt von den Einstellungen ab. Ein Kind kann diese Freigabe dennoch unterschätzen oder sich im Freundeskreis gedrängt fühlen, sie eingeschaltet zu lassen. Ein Standort verrät mitunter, wo jemand wohnt, zur Schule geht oder sich regelmäßig aufhält. Unser Snap-Map-Ratgeber erklärt die Funktion und die wichtigen Einstellungen.

SOMI und Spirit Legal richten ihren Blick außerdem auf die Datenverarbeitung hinter den sichtbaren Funktionen. Filter, Kamera, Standort, Interaktionen und Empfehlungen werfen Fragen auf: Welche Daten werden verarbeitet? Wofür werden sie verwendet? Wie verständlich ist das für minderjährige Nutzer und ihre Eltern? SOMI erhebt hierzu rechtliche Vorwürfe, unter anderem zum Schutz Minderjähriger und zum Datenschutz.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Ein Patent zeigt, welche Technik ein Unternehmen beschrieben oder angemeldet hat. Es beweist für sich allein nicht, dass jede beschriebene Funktion in der aktuellen App eingesetzt wird. Auch die rechtliche Bewertung der Datenverarbeitung ist Gegenstand der Verfahren. Eltern müssen diese technischen Fragen nicht abschließend beantworten, um eine vorsichtige Entscheidung für ihr Kind zu treffen.


SOMI und Spirit Legal wollen Änderungen an der Plattform

In der Podcastfolge erklären Vertreter von SOMI und Spirit Legal, warum sie rechtlich gegen Snap vorgehen. SOMI hat nach eigenen Angaben im September 2026 eine formelle Abmahnung in Deutschland ausgesprochen und eine Datenschutzbeschwerde in den Niederlanden eingereicht. Im Mittelpunkt stehen der Kinderschutz, die Gestaltung der Plattform, Empfehlungen, Meldesysteme und die Verarbeitung von Daten.

Der zentrale Gedanke dahinter ist für Eltern gut verständlich: Kinderschutz darf nicht ausschließlich davon abhängen, dass ein 13-jähriges Kind jede Täuschung erkennt, alle Einstellungen richtig setzt, problematische Kontakte sofort meldet und sich gegen sozialen Druck behauptet. Eltern und Schulen können begleiten. Die Plattform muss ihren Teil zum Schutz Minderjähriger leisten.

Das sind die Positionen und Vorwürfe von SOMI. Ob einzelne Praktiken rechtswidrig sind und welche Änderungen verlangt werden können, entscheiden die zuständigen Behörden und Gerichte.


Wie kann Snapchat in Europa erlaubt sein?

Eine App wird in Europa nicht automatisch verboten, sobald schwerwiegende Risiken bekannt werden. Das Recht setzt Pflichten für die Betreiber. Ob diese Pflichten verletzt wurden, muss geprüft werden. Anschließend können Behörden Maßnahmen durchsetzen.

Die EU-Kommission hat am 26. März 2026 ein förmliches Verfahren gegen Snapchat eröffnet. Sie untersucht fünf Bereiche: Altersüberprüfung, Grooming und die Anwerbung Minderjähriger für kriminelle Zwecke, unzureichende Standardeinstellungen, Informationen über den Verkauf verbotener oder altersbeschränkter Produkte sowie die Meldung illegaler Inhalte.

Die Eröffnung des Verfahrens ist noch kein Urteil über Snapchat. Sie zeigt aber, dass die Bedenken längst nicht nur von besorgten Eltern vorgebracht werden. Während die Prüfung läuft, nutzen Kinder die App weiter. Deshalb reicht die Antwort „Die EU kümmert sich schon darum“ für Familien nicht aus.

Wir wünschen uns einen wirksamen europäischen Schutz, der riskante Funktionen und Geschäftsentscheidungen tatsächlich verändert. Bis dahin lautet unsere Empfehlung: Lass dein minderjähriges Kind Snapchat nicht nutzen. Warum wir diese Haltung vertreten, haben wir auch in unserem ausführlichen Beitrag „12 Gründe, warum dein Kind niemals Snapchat nutzen sollte“ beschrieben.


Wenn dein Kind Snapchat noch nicht nutzt

Sprich darüber, bevor die App zum Streitfall wird. Frage, welche Freunde sie nutzen und was dein Kind dort tun möchte. Oft geht es weniger um Filter als um die Sorge, etwas in der Klasse zu verpassen. Nimm diese Sorge ernst.

Erkläre dann deine Entscheidung mit konkreten Gründen: fremde Kontakte, sexuelle Erpressung, Drogenangebote, Standortfreigaben und Nutzungsdruck. Ein Satz kann helfen: „Ich vertraue dir. Ich halte aber die Umgebung, in der du dort unterwegs wärst, für zu riskant.“

Suche mit deinem Kind nach anderen Wegen, Freundschaften zu pflegen. Wie werden Verabredungen organisiert? Über welchen sicheren Kanal sind enge Freunde erreichbar? Was könnt ihr mit anderen Eltern besprechen? Ein Verbot ist leichter zu tragen, wenn Zugehörigkeit nicht einfach wegfällt.

Eine Jugendliche spricht mit ihrer Mutter am Küchentisch. Die Mutter hört aufmerksam zu. Zwischen ihnen liegt ein Smartphone mit gelbem Bildschirm.

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Wenn dein Kind Snapchat schon nutzt: So gehst du vor

Schritt 1: Beginne mit Interesse statt mit einem Vorwurf

Setz dich in einem ruhigen Moment mit deinem Kind zusammen. Frage: „Was gefällt dir an Snapchat? Was machen deine Freunde dort? Gibt es etwas, das dich nervt oder unter Druck setzt?“ Lass es zunächst erzählen. Wer sofort mit „Ich habe dir doch gesagt, dass die App gefährlich ist“ antwortet, erfährt beim nächsten Problem womöglich nichts mehr.

Schritt 2: Sage klar, warum du deine Haltung geändert hast

Erkläre, welche Risiken du kennengelernt hast. Du musst nicht alle Studien vorlesen. Zwei oder drei konkrete Beispiele reichen. Sage auch, dass du als Erwachsener die Verantwortung für die Entscheidung über die App übernimmst. Dein Kind muss nicht beweisen, dass es „vernünftig genug“ ist, um einer riskanten Plattform zu begegnen.

Schritt 3: Frage ausdrücklich nach Problemen

Kinder erzählen nicht unbedingt von selbst, dass ein Fremder geschrieben hat, jemand ein Bild fordert oder ein Kontakt mit der Veröffentlichung droht. Frage deshalb ruhig und ohne Schockreaktion: „Hat dich jemand nach Bildern gefragt? Hat dir jemand gedroht? Hast du Drogen- oder Vape-Angebote gesehen? Weiß jemand auf Snapchat, wo du wohnst oder zur Schule gehst?“

Versichere deinem Kind vor der Antwort, dass es Hilfe bekommt, auch wenn es etwas verschwiegen oder eine Regel gebrochen hat.

Schritt 4: Bei einer akuten Bedrohung hat Hilfe Vorrang

Wenn dein Kind erpresst oder sexuell bedrängt wird, schicke kein Geld und keine weiteren Bilder. Notiert gemeinsam Accountnamen, Zeitpunkte und den Inhalt der Drohungen. Leitet intime Bilder nicht weiter und fertigt keine zusätzlichen Kopien davon an. Holt Unterstützung bei der Polizei oder einer spezialisierten Beratungsstelle. Bei unmittelbarer Gefahr ruf die Polizei unter 110.

Vor allem: Gib deinem Kind nicht die Schuld. Eine ruhige Reaktion erhöht die Chance, dass es alle wichtigen Informationen erzählt.

Schritt 5: Prüft gemeinsam Kontakte und Einstellungen

Wenn keine akute Gefahr besteht, schaut euch an, mit wem dein Kind verbunden ist, wer es kontaktieren kann und ob der Standort über die Snap Map freigegeben wurde. Klärt, welche Kontakte es persönlich kennt. Diese Prüfung ist eine gemeinsame Bestandsaufnahme, kein heimliches Durchsuchen.

Schritt 6: Plant den Ausstieg

Überlegt, wie dein Kind seine wichtigsten Freundschaften außerhalb von Snapchat erreicht. Sichert bei Bedarf eigene Daten und klärt offene Verabredungen. Dann könnt ihr das Konto gemeinsam löschen. Ein kommentarloses Löschen im Affekt löst den sozialen Druck nicht und kann das Vertrauen beschädigen.

Schritt 7: Bleib ansprechbar

Auch ohne Snapchat begegnet dein Kind online Schönheitsfiltern, Gruppendruck und fremden Kontakten. Frage deshalb weiterhin nach seinem digitalen Alltag. Der wichtigste Schutz ist die Gewissheit: Wenn etwas passiert, kann ich zu meinen Eltern kommen, und sie helfen mir zuerst.


Unser Fazit

Snapchat vereint mehrere Risiken in einer App, die für Kinder wie ein alltäglicher Treffpunkt aussieht. Die geschilderten Fälle, Untersuchungen und laufenden Verfahren sind unterschiedlich zu bewerten. Zusammen geben sie Eltern aber mehr als genug Gründe, die Plattform kritisch zu sehen.

Du musst nicht die gesamte Podcastfolge mit SOMI und Spirit Legal anschauen, um eine Entscheidung zu treffen. Entscheidend ist, die Mechanismen zu verstehen, mit deinem Kind im Gespräch zu bleiben und ihm klarzumachen: Schutz und Hilfe stehen immer vor Schuldzuweisungen.


Unser Fazit

Snapchat vereint mehrere Risiken in einer App, die für Kinder wie ein alltäglicher Treffpunkt aussieht. Die geschilderten Fälle, Untersuchungen und laufenden Verfahren sind unterschiedlich zu bewerten. Zusammen geben sie Eltern aber mehr als genug Gründe, die Plattform kritisch zu sehen.

Du musst nicht die gesamte Podcastfolge mit SOMI und Spirit Legal anschauen, um eine Entscheidung zu treffen. Entscheidend ist, die Mechanismen zu verstehen, mit deinem Kind im Gespräch zu bleiben und ihm klarzumachen: Schutz und Hilfe stehen immer vor Schuldzuweisungen.

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